Traumjob Verwaltungsrat/-rätin

Wie baue ich mein Portfolio als VR aus? – Theorie und Praxis

Traumjob Verwaltungsrat/-rätin 

Wie baue ich mein Portfolio als VR aus? – Theorie und Praxis 

Für viele Führungskräfte gilt das Amt des Verwaltungsrats als beruflicher Höhepunkt: ein Mandat mit strategischer Verantwortung, Gestaltungsraum und gesellschaftlicher Relevanz. Doch wie wird man eigentlich Verwaltungsrat oder Verwaltungsrätin? Und was zeichnet eine erfolgreiche VR-Zusammensetzung aus? Ein Input auf Basis des Vortrags von Silvan Felder vom 4. November 2025 zeigt: „Zuerst verstehen, dann handeln!” Aufbauend auf einem werthaltigen beruflichen Werdegang ist Wissen über die Rolle und Funktion eines Verwaltungsrates zu erarbeiten, ein entsprechendes Netzwerk aufzubauen und eine passende Positionierung in der Governance-Community zu erlangen.  


Das Potenzial: Mehr Bewegung im Markt als gedacht 

In der Schweiz existieren rund 124'000 Aktiengesellschaften – und damit etwa 260'000 VR-Mandate. Durchschnittlich bleiben Mitglieder 8,3 Jahre im Amt, was jährlich zu rund 28'000 Mutationen führt. Der Markt ist also dynamischer, als viele vermuten. Gleichzeitig nimmt die Komplexität der Unternehmensführung zu, wodurch der Anspruch an professionelle und vielfältige VR-Gremien steigt. 

Rollen, Verantwortung und gesetzlicher Auftrag 

Die Aufgaben des Verwaltungsrats sind im Obligationenrecht klar definiert: Oberleitung, Organisation, Finanzkontrolle, Ernennung und Aufsicht über die Geschäftsführung sowie die Verantwortung für den Geschäftsbericht und die Vorbereitung der Generalversammlung. Diese sogenannten «unübertragbaren Aufgaben» machen deutlich, dass VR-Arbeit mehr ist als ein repräsentativer Titel – sie verlangt Fachwissen, Verantwortungsbewusstsein und Integrität. 

Die bestmögliche VR-Zusammensetzung 

Ein wirksamer Verwaltungsrat ist kein Zufallsprodukt. Entscheidend ist die Mischung aus unterschiedlichen Perspektiven und gemeinsamen Grundhaltungen. Diversität zeigt sich in: 

  • interdisziplinären Kompetenzen 
  • verschiedenen Aus- und Weiterbildungen 
  • Alters- und Geschlechtervielfalt 
  • Rollen- und Netzwerkdiversität 
  • funktionaler Ergänzung (vom Visionär bis zum Controller) 

Gleichzeitig braucht jedes einzelne VR-Mitglied klare, unverhandelbare Eigenschaften: Integrität, Unabhängigkeit, Verfügbarkeit, Teamfähigkeit, kritische Urteilsfähigkeit und ein solides Verständnis für finanzielle Zusammenhänge. Erst die Verbindung aus Diversität und Homogenität schafft ein leistungsfähiges Gremium. 

Vom Ist- zum Sollprofil: Der strategische Blick auf das Gremium 

Vor jeder Besetzung stellt sich die Frage: Welche Kompetenzen braucht das Unternehmen künftig? „Struktur folgt Strategie“ – das gilt auch für den VR. Daher werden bestehende Fähigkeiten analysiert und in einem Sollprofil festgehalten, das die Grundlage für die Rekrutierung bildet. Lebenszyklus, Branche, Eigentümerinteressen und Unternehmenswerte spielen dabei zentrale Rollen. 

Wie man ein VR-Mandat gewinnt: Fünf Praxistipps 

  1. Faire Selbsteinschätzung 
    Welche Führungserfahrungen bringe ich mit? Wo liegen meine Stärken – und welche Kompetenzen fehlen mir noch? Realismus ist Pflicht. 
  2. Eigene Motivation klären 
    Geht es um Sinn, Wirkung, Verantwortung – oder um Status? Authentische Motivation führt zu besseren Matches. 
  3. Sichtbarkeit schaffen 
    Netzwerke sind entscheidend: 9 von 10 VR-Vakanzen werden über persönliche oder berufliche Kontakte besetzt. Präsenz auf LinkedIn, Branchenverbänden oder in VR-Netzwerken erhöht die Chancen deutlich. 
  4. Kompetenzen weiterentwickeln 
    Weiterbildung, Austausch mit erfahrenen VR-Mitgliedern und Rollenverständnis sind wichtig. Eine VR-Ausbildung allein macht jedoch niemanden zum Verwaltungsrat. 
  5. Planen – und gleichzeitig situativ handeln 
    Der Aufbau eines VR-Portfolios braucht Zeit. Wer erst mit 60 beginnt, ist spät dran. Parallelität zur beruflichen Tätigkeit, klare Einkommensüberlegungen und langfristige Positionierung sind entscheidend. 

Fazit: 

Der Traumjob Verwaltungsrat erfordert Klarheit über die eigene Rolle, die Bereitschaft zur Weiterentwicklung und eine aktive Pflege von Netzwerken. Wer versteht, wie Gremien funktionieren und wie professionelle VR-Zusammensetzung gelingt, erhöht seine Chancen deutlich – und leistet einen wertvollen Beitrag zur Unternehmensführung. 


Über den Author 

Silvan Felder 

Silvan Felder ist seit 2001 Gründer, Inhaber und Geschäftsführer der Verwaltungsrat Management AG in Luzern – einem Generalunternehmen für Fragen rund um den Verwaltungsrat.  

Der Schwerpunkt seiner unternehmerischen Tätigkeit liegt auf der Entwicklung und Organisation wirksamer VR-Gremien, insb. im Umfeld von mittelgrossen und grossen Familienunternehmen sowie für Firmen im Besitz der öffentlichen Hand. Das Angebot reicht dabei über von der professionellen Begleitung von VR-Suchmandaten über die Weiterbildung von Verwaltungräten bis hin zur Beratung in allen Fragen rund um eine Good Governance.  

Als diplomierter Wirtschaftsprüfer und Betriebsökonom sowie multiplen eigenen VR-Mandatserfahrungen verfügt er über ein fundiertes und praxisnahes Expertenwissen rund um eine Good Governance. 

Mehr zur Person und zur Verwaltungsrat Management AG: 

www.vrmanagement.ch  

Disclaimer: Die Network Briefs sind Fachbeiträge, die von unseren Mitgliedern für unsere Mitglieder geschrieben werden. Sie bieten Denkanstösse, Erfahrungen und Best Practices direkt aus der Praxis von Verwaltungsräten. 

Wichtiger Hinweis: Im Gegensatz zu anderen Blog-Kategorien handelt es sich bei den Network Briefs um Inhalte von Mitgliedern für Mitglieder. Der SwissBoardForum (SBF) übernimmt keine Verantwortung für die inhaltliche Richtigkeit oder Vollständigkeit. Die Meinungen spiegeln ausschliesslich die Autor:innen wider. 

Verwaltungsrat Management AG, Silvan Felder 13. Januar 2026
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