OR 2026 Checkliste: sind Sie wirklich bereit?

Reform OR 2026: fünf Prioritäten, um Risiken, Sanktionen und Governance-Fehler zu vermeiden.

2026 ändert das Obligationenrecht. Sind Sie wirklich bereit?

Compliance ist keine Option mehr. Ab 2026 beginnt für Schweizer Unternehmen eine neue Ära der Verantwortung. Die Reform ist strukturell. Transparenz, Nachhaltigkeit, strafrechtliche Verantwortung. Verwaltungsräte können sich nicht auf Unwissen berufen.

Die OR-Reform verändert die Corporate Governance in der Schweiz. Sie wird ein Stresstest für unvorbereitete VR. Und eine strategische Chance für jene, die früh handeln.

Hier finden Sie die Orientierung, die Sie jetzt brauchen.

Einführung OR 2026 als regulatorischer und strategischer Wendepunkt

2026 steht unmittelbar bevor. Die Reform der Artikel 964a bis 964l OR bringt neue Pflichten zu Nachhaltigkeit und nichtfinanzieller Transparenz. Der Gesetzgeber koppelt sie an die Sorgfaltspflichten zu Konfliktmineralien und Kinderarbeit.

Es geht nicht mehr um ein ethisches Kapitel oder eine freiwillige ESG-Initiative. Es ist eine gesetzliche Pflicht. Der Geltungsbereich wird breiter. Kontrollen strenger. Schwellenwerte tiefer. Die Botschaft ist klar. Verwaltungsräte müssen ihre Verantwortung wahrnehmen. Aktiv. Strategisch.

Was heisst das konkret. Was ändert sich für VR und Präsidien. Und welche Risiken entstehen, wenn Sie jetzt nicht handeln.

Diese Fünf-Punkte-Checkliste zeigt den Weg zur Vorbereitung.

1.  1. OR 964a bis 964l. Fallen Sie in den Geltungsbereich

Die Reform erweitert die Pflicht zum nichtfinanziellen Reporting auf mehr Unternehmen.

Betroffen sind:

  • Schweizer Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitenden oder mehr als 40 Millionen CHF Umsatz und mehr als 20 Millionen CHF Bilanzsumme
  • Börsenkotierte Unternehmen oder Unternehmen mit öffentlichem Interesse
  • Internationale Gruppen unter bestimmten Bedingungen mit Schweizer Tochtergesellschaften

Diese Unternehmen müssen jährlich einen strukturierten Bericht zu Risiken, Massnahmen und Ergebnissen in den Bereichen Umwelt, Menschenrechte, Korruption, Gleichstellung und Arbeitsbedingungen veröffentlichen.

Umsetzung in der Praxis

  • Ein Materialitätsaudit durchführen lassen. Liegt Ihr Unternehmen im OR-2026-Perimeter
  • Prüfen, ob Ihre Lieferkette unter die Regeln zu Konfliktmineralien oder Kinderarbeit fällt
  • Einen rückwärts geplanten Roadmap-Kalender erstellen

Empfohlenes Tool: Mapping-Tabelle OR 964a bis 964l, geführt durch ein juristisches und ein ESG-Team.

Die Artikel 716a und 717 OR bleiben unverändert. Ihre Durchsetzung wird jedoch konsequenter. Verwaltungsräte sind verpflichtet:

• sorgfältig und loyal zu handeln

• die Einhaltung gesetzlicher Pflichten zu überwachen

• potenzielle Schäden für das Unternehmen zu verhindern

Bei Verstössen gegen OR 2026 (fehlender Bericht, falsche Inhalte, fehlende Prüfsysteme) können VR zivil und strafrechtlich haftbar werden.

In der Praxis:

• OR 2026 als festen Traktandumspunkt in jeder VR-Sitzung führen

• Den künftigen Bericht juristisch extern prüfen lassen oder mit einer D&O-Versicherung abgleichen

• Ein Schulungsmodul zu den persönlichen Haftungsrisiken für den VR organisieren

Zu beobachten: erste Schweizer Fälle, in denen VR-Präsidien für regulatorische Sorgfaltsmängel zur Verantwortung gezogen werden.

Unternehmen müssen ein dokumentiertes internes Kontrollsystem aufbauen. Nichtfinanzielle Berichte sind intern zu prüfen und in bestimmten Fällen extern zu verifizieren.

Der VR muss nachweisen können, dass ein formelles System zur Bewertung nichtfinanzieller Risiken besteht.

In der Praxis:

• Einen jährlichen Auditplan OR 2026 erstellen, mit ESG, Lieferkette und Dokumentationspflichten

• Einen Ausschuss für Nachhaltigkeit und Berichtspflichten einrichten, angebunden an den Audit-Ausschuss, mit klarem Mandat

• Eine OR und ESG Risikomatrix erarbeiten, die Schwere, Häufigkeit und Verantwortlichkeit verbindet

Empfohlenes Tool: Selbstbewertungsformular OR-2026-Konformität für den Audit-Ausschuss.

Bei einer Prüfung müssen Sie nachweisen:

• eine systematische Risikoanalyse zu ESG und Menschenrechten

• funktionierende Monitoring-Mechanismen

• formale Dokumente, die vom VR validiert sind

Alles, was nicht dokumentiert ist, gilt als nicht konform.

In der Praxis:

• Einen virtuellen OR-2026-Datenraum einrichten

• Eine Rubrik VR-Review ergänzen, mit Datum, Freigabe und Bemerkungen für jedes heikle Dokument

• Die jährliche Vorprüfung durch Revisor oder Auditor vorbereiten, mit vollständiger OR-Checkliste

Neuer Standard: Jedes Dokument muss klar beantworten. Wer. Wann. Wie.

Das Risiko ist nicht nur juristisch. Es ist strategisch. Ab 2026 kann ein nicht konformes Unternehmen:

• von öffentlichen Ausschreibungen ausgeschlossen werden

• eine schlechtere ESG-Bewertung erhalten

• seine Führungspersonen Reputationsangriffen aussetzen

Der VR trägt hier die Verantwortung für die Glaubwürdigkeit. Nichtkonformität ist kein formaler Fehler. Es ist ein Zeichen schwacher Governance.

In der Praxis:

• Ein Kommunikationsszenario OR 2026 für Fehler, Verzögerungen oder Lücken vorbereiten

• Präsidentin und CEO für öffentliche Aussagen zur ESG und OR-Konformität schulen

• Einen Reputations-KPI in die Dashboards aufnehmen (Erwähnungen, Tonalität, ESG-Ranking)

Proaktive Haltung: einen freiwilligen Nachhaltigkeitsbericht bereits 2025 erstellen. Das testet Prozesse und stärkt die Glaubwürdigkeit.

Schluss. 2026 wird zur Belastungsprobe für die Governance

Die Reform ist kein juristisches Detail. Sie ist ein kultureller Wendepunkt für die Schweizer VR-Arbeit. Zum ersten Mal zwingt die Gesetzgebung zu einem erweiterten Leistungsverständnis, das finanzielle Resultate, ESG-Auswirkungen und ethische Pflichten verbindet.

2026 steht eine Frage im Zentrum. Haben Sie Ihre Governance rechtzeitig vorbereitet.

 Checkliste Verwaltungsrat OR 2026

    PrüfpunkteErledigt ?
    Liegt unser Unternehmen im Geltungsbereich 964a bis 964l ORJa / Nein
    Existiert ein Ausschuss für ESG und BerichtspflichtenJa / Nein
    Wurde ein jährlicher Auditplan verabschiedetJa / Nein
    Besteht ein dokumentierter und nachweisbarer ProzessJa / Nein
    Ist ein Krisenszenario vorbereitetJa / Nein

    Hat der VR eine spezifische Schulung erhalten

    Ja / Nein

Zu merken:

• Früh vorbereiten heisst professionell steuern

• Dokumentieren heisst sich schützen

• Aktive Governance schafft Vertrauen

Geschäftsstelle / Direction 18. Dezember 2025
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